Eisenabnahme, Umstellung auf Barhuf:
Es wurde noch nie ein Pferd mit Eisen geboren. Über die „Umstellung“ zum Barhuf wird zu viel Aufsehen gemacht.
Bezeichnenderweise nicht beim umstellen auf Beschlag, obwohl dies für das Pferd den weitaus grösseren Eingriff darstellt.
Stellen sie sich vor, sie hätten plötzlich Schuhsohlen aus Holz, man gewöhnt sich zwar daran, aber es ist doch ziemlich
„anders“.
Bei vier von fünf Pferden stellt die Umstellung auf Barhuf auch kein Problem dar. Wenn mit Umsicht vorgegangen wird und die
folgenden Grundsätze beachtet werden.
- Damit genügend Tragerand vorhanden ist, sollte der letzte Beschlagstermin mindestens 6 Wochen zurückliegen.
- Die meist schwach und spröde gewordene Hufwand muss geschont werden, die Nägel werden einzeln gezogen und nicht wie
üblich das ganze Hufeisen „runtergerissen“.
- Die Sohle sorgfältig vom Zerfallshorn reinigen.
Wichtig ist das Zurückschneiden der Eckstreben auf Sohlenniveau und
das Reinigen der Trachtenecken. Ansonsten kann evtl. Fäulnis im Blättchenhorn übersehen werden. (Zur Erinnerung: die
„weisse Linie“ oder „Blättchenhorn“ verläuft nicht nur um den Huf, sondern auch entlang der Eckstrebe, bis zu deren
Ende – nahe beim Strahl).
- Umsichtiges Kürzen der Tragewand, ca.2- 3mm müssen unbedingt erhalten bleiben. Belässt man sie zu lang, kann sie
ausbrechen. Ist sie zu kurz, muss die dafür nicht konstruierte Sohle das Pferdegewicht tragen.
Das grösste Hindernis zum guten Gelingen der Umstellung ist nicht das Pferd sondern der Besitzer, da er sich oft erst zur
Eisenabnahme entscheidet, wenn der Huf schon schwer beschädigt ist.
Hat Ihr Pferd durch langjährigen Beschlag völlig aus der Form gewachsene Hufe, oder Wände von so schlechter Hornqualität,
dass sie das Pferdegewicht nicht mehr zu tragen vermögen, so haben Sie nicht einfach ein Pferd mit schlechten Hufen. Sie
haben ein invalides Pferd! Bei z.B. einem Sehnenschaden nimmt sich der Reiter ohne weiteres ein Jahr Zeit zur Genesung
des Tieres. Vom Pferd mit „kaputten Füssen“ wird aber oft aus Unverstand oder purem Egoismus tägliche Präsenz verlangt!
Invalide brauchen Rekonvaleszenz!
Ist der Boden zu hart, und die degenerierten Hufwände reiben zu stark ab oder brechen aus (oder wurden aus Unverstand zu
stark gekürzt!) trägt die Sohle zuviel Gewicht. Dies kann zu einer Reizung der Sohlenlederhaut führen, die mit einer
schmerzhaften Entzündung reagiert!
- Pferd separieren (bei Gruppenhaltung), sehr weich und trocken stellen, Tierarzt beiziehen!
- In spätestens 2 Monaten ist die Sohle durchgewachsen und der Tragerand sollte soweit vorhanden sein, dass die
Umstellung als geglückt bezeichnet werden kann.
Ist der Huf nicht allzu sehr aus der Form gewachsen (zu lange Zehen, einhergehend mit stark untergeschobenen Trachten)
werden Hufschuhe angepasst. Und Ihrem ersten Ausritt mit einem „leisen Pferd“ steht schon am ersten Tag nichts im Wege. In
der Reithalle oder Reitplatz ohne Steine, kann problemlos ohne Hufschutz geritten werden
Das Entscheidende für gutes Gelingen ist die Bodenbeschaffenheit! Man kann jedem Pferd die Eisen abnehmen, aber nicht überall!
Sie brauchen keine speziellen oder verschiedene Böden. Horn ist gewachsen, sie können es an nichts „gewöhnen“! Aber Sie
müssen einen zu starken Hornabrieb verhindern!
- Völlig ungeeignet ist gegossener Beton, Pflastersteine, Betonrasengittersteine, harter Mergel, unbedeckter Ecoraster etc.
- Geeignet ist möglichst dämpfender, weicher, sauberer und trockener (Urin!) Boden. Wie Sand, Weide, Schnitzel auf
Unterbau, Gummi, bedeckter Ecoraster etc.
- Je hygienischer und trockener der Boden, desto widerstandsfähiger wird das Horn.
- Eine saubere Boxe ist einem Beton- oder unhygienischem Matschauslauf immer vorzuziehen!
- Das Hufhorn erhält seine benötigte Feuchtigkeit von innen. Vom Hufe „wässern“ ist zwingend abzuraten. Das Horn wird
durch das anschliessende Verdunsten „ausgeschwemmt“ und spröder.
- Fette, Öle, Hufhärter etc. sind gut für den Verkäufer. Dem Huf schaden sie nicht, es kann aber auch kein nennenswerter
Einfluss auf die Hornqualität nachgewiesen werden.
Die Haltung des Barhufpferdes stellt höhere Ansprüche (Bodenverhältnis und Stallhygiene) als die des beschlagenen Pferdes!
Wann ist der beste Zeitpunkt zur Eisenabnahme?
- Mindestens sechs Wochen nach dem letzten Beschlagstermin.
- Nachteilig ist die Eisenabnahme im Spätherbst oder Winter.
Im Winter produziert der Huf eher weniger Horn. Es besteht das Risiko, dass die vorher weiche Koppel oder Auslauf über Nacht zur knallhart gefrorenen Mondlandschaft wird.
Diese hartgefrorenen, hügeligen Böden sind eine Tortur, selbst für gesunde Pferde und unerträglich für degenerierte Hufen mit schwachen Trägerrändern und empfindlichen Sohlen. (Sohlenlederhautentzündung!)
- Im Winter ist am Hufschutz zwingend ein Gleitschutz (Stollen) erforderlich! Hufschuhe mit Stollen haben einen sehr guten "Grip". Nach der Eisenabnahme sind Hufe meistens noch nicht gut ausbalanciert (belastet).
Die Gefahr, dass sich Hufschuhe mit Stollen am Huf verdrehen, ist dabei grösser als bei Hufschuhen ohne Stollen.
Somit ist zur Eisenabnahme die geeignetste Zeit das Frühjahr, wenn die Frostperiode vorbei ist.